am Dienstag war auf Einladung von Publix und Correctiv die Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) bei uns zu Gast. Auf der Bühne und gemeinsam mit dem Publikum haben wir über ihre Agenda in der Bildungspolitik gesprochen, über Resilienz gegen Rechtsextremismus und über die Kritik an der Umstrukturierung des Programms Demokratie leben! "Wenn der Staat fördert, muss er pluralistisch fördern. Und die Zivilgesellschaft sind nicht nur die, die von linker Seite eine bürgerliche Regierung kritisieren", verteidigte die Ministerin ihren Umbau des Förderprogramms. Kürzungen am Gesamtetat von rund 180 Millionen Euro pro Jahr solle es aber nicht geben. Das ganze Bühnengespräch als Video finden Sie in diesem Newsletter.
In den vergangenen Wochen wurde viel über Demokratie leben! berichtet, u.a. ausführlich im SPIEGEL und in der ZEIT. Ich freue mich, dass wir die Ministerin im Gespräch nach ihrer Perspektive fragen konnten, nachdem sich die betroffenen Organisationen in vielen Artikeln und in einem offenen Brief geäußert hatten. Nur, wenn ein breites Spektrum von Perspektiven verhandelt wird, bleibt der Streit um den richtigen Weg in Politik und Gesellschaft produktiv. Statt der Meinungsextreme eine Meinungsvielfalt abzubilden ist ein wirksames Mittel, mit dem Journalismus entpolarisierend wirken kann – so zeigen es jüngste Forschungsergebnisse des Forschungsinstituts MIDEM an der TU Dresden. Dessen Paper Affektive Polarisierung verringern – aber wie? wurde vergangene Woche im Publix vorgestellt, und ich kann allen Journalist:innen und jeder Redaktion nur empfehlen, es aufmerksam zu lesen.
Um unsere Aufmerksamkeit und wer sie verdient hat, wird es zum Tag der Pressefreiheit und dem Tag des Lokaljournalismus am 5. Mai auch gehen, wenn rund 150 Schüler:innen ins Publix kommen. Beim ersten Newscamp Neukölln werden sie live erleben, wie Nachrichten gemacht werden und wie man sie als Nutzer:in richtig einordnen kann. Ich freue mich sehr, dass wir diesen Tag gemeinsam mit der dpa-Initiative #UseTheNews,und vielen Organisationen aus unserem Haus veranstalten. Wenn Sie als Lehrkraft selbst einmal mit einer Schulklasse teilnehmen wollen, melden Sie sich bei uns!
Vor einigen Monaten habe ich Ihnen hier berichtet, dass wir Platz für noch mehr Organisationen schaffen. Nun sind die neuen Büroräume fertig und besetzt: Wir begrüßen Medico International und das Team von Fun Facts bei Publix. Jede neue Organisation und jeder neue Mensch im Haus erweitert unser Netzwerk und damit die Möglichkeiten, voneinander zu lernen und gemeinsam noch wirksamer zu werden.
Ich wünsche Ihnen einen sonnigen Start in den Mai.
Ihre Maria Exner
Publix ist eine Initiative der Schöpflin Stiftung mit Unterstützung der Stiftung Mercator Schweiz und der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS.
Karin Prien in der Reihe "Sind wir noch zu retten?"
Die wichtigsten Aussagen der Bundesministerin für Bildung und Familie im Interview mit Publix-Intendantin Maria Exner und CORRECTIV-Chefredakteur Justus von Daniels
Zum Jugendschutz in digitalen Medien und einem Social-Media-Verbot für Jugendliche:
"Wer glaubt, durch ein 'einfaches' Social-Media-Verbot könne man das Problem lösen, der irrt."
"Wenn es wirken soll, dann geht es nur durch scharfe Maßnahmen, die die Plattformen in die Verantwortung nehmen und zwar so, dass es wehtut."
"Verstöße gegen Jugendschutzregulierungen müssen richtig schmerzhaft sein."
"Ich finde, man muss es aus dem Gesundheitsschutz heraus argumentieren. (...) Bildschirmzeit für Null- bis Dreijährige: Das geht gar nicht."
Zur Resilienz gegen Rechtsradikalismus und das Förderprogramm Demokratie leben!
"Ich verorte mich in der Mitte des politischen Spektrums. Und ich sage, unsere Demokratie ist in einem Umfang bedroht, dass wir (...) darauf achten müssen, dass wir die Menschen in der stillen Mitte erreichen, die drohen, das Vertrauen in das politische System endgültig zu verlieren, die demokratieskeptisch sind. Das ist mein Ansatz. Das ist ein etwas anderer Ansatz als der meiner Vorgängerin. Ich bin zum Beispiel auch richtig allergisch (...) gegen identitätspolitische Ansätze, die sich in diesem Programm durchaus wiederfinden."
"Wenn der Staat fördert, muss er pluralistisch fördern. Und die Zivilgesellschaft sind nicht nur die, die von linker Seite eine bürgerliche Regierung kritisieren."
"Die Überheblichkeit, zu glauben, dass der Bestand dieses demokratischen Systems gerettet werden könnte über die wenigen, zum Teil extrem selbstreferentiellen Gruppen, die bei Demokratie leben! gefördert werden, ist wirklich absurd."
"Wenn es uns nicht gelingt, diesem inzwischen in breite Milieus greifenden Vertrauensverlust in das demokratische System zu begegnen, dann werden wir diesen Kampf verlieren."
Hier das ganze Gespräch im Video:
Bundesbildungsministerin Karin Prien auf der Publix-Bühne am 28. April 2026
Berichten über Rechtsaußen: Wie covert man die AfD, im Osten und ganz Deutschland?
Im Herbst stehen Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern an. Dort stellen sich Fragen, die Deutschland insgesamt herausfordern: Was macht die AfD so populär? Warum dringen die demokratischen Parteien nicht mehr durch? Welche Mitverantwortung tragen die Medien an der Debattenverschiebung und dem politischen Erfolg der AfD?
Darüber spricht Publix-Intendantin Maria Exner mit Ann-Katrin Müller, Politikredakteurin im SPIEGEL-Hauptstadtbüro und eine der profiliertesten AfD-Kennerinnen Deutschlands. Gemeinsam finden sie Antworten darauf, wie man über eine Partei berichten kann, die Journalist:innen instrumentalisiert und zum Feindbild erklärt – und bald erstmals einen Ministerpräsidenten stellen könnte.
#PressefreiheitMachtSchule: Nachrichtenkompetenz im Klassenraum
Junge Menschen sollten früh lernen, Informationen kritisch zu prüfen, Quellen einzuordnen und journalistische Standards zu verstehen. Das deutsche Bildungssystem wird dieser Aufgabe bislang nur unzureichend gerecht. Wie kann Nachrichtenkompetenz fest im Unterricht verankert werden? Das Impulspapier Kampf gegen Desinformation von Journalismus macht Schule zeigt, wie andere Länder mit dem Thema umgehen.
Mit Jochen Fasco, Ulrike Gruska, Konrad Schaller, Annette Kuhn und Martin Spiewak (Moderation)
Künstliche Intelligenz gehört in öffentlichen Verwaltungen zunehmend zum Arbeitsalltag. Aber unter welchen Bedingungen soll sie eingesetzt werden? Welche Anforderungen gelten für Daten, Modelle und Betrieb? Und wie bleibt der Staat handlungsfähig, wenn zentrale Technologien von wenigen Unternehmen und Plattformen bereitgestellt werden?
Dieses Symposium der Technologiestiftung Berlin bringt Perspektiven aus Verwaltung, Forschung und Praxis zusammen und diskutiert die Konsequenzen für den staatlichen Einsatz von KI.
Wer gestaltet die Zukunft, wenn wir es nicht tun? Das gemeinsame Handeln von Akteur:innen aus Wirtschaft, Politik, Medien und Zivilgesellschaft schafft die Voraussetzungen für echten Wandel.
Welche Geschichten erzählen von gelungener Veränderung? Welche Rahmenbedingungen fördern wirkungsvolles Handeln? Und wie kommen wir gemeinsam vom Wissen ins Tun – für eine zukunftsfähige Gesellschaft?
"Publix ist ein Ort, an dem unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen und produktiv werden können. Genau da möchte ich ansetzen und mit dem Team die organisatorischen und operativen Grundlagen weiterentwickeln", sagt Benjamin Nick. Er bringt viel Erfahrung im Bereich Coworking und Flex Office mit.
Die re:publica in Berlin ist Europas größte Konferenz für Fragen der digitalen Zukunft. Vom 18. bis 20. Mai stellen viele der Publix-Residents dort ihre Anliegen vor oder sind Teil von Diskussionsrunden.
In jeder Ausgabe unseres Newsletters stellen wir eine Person oder Organisation vor, die im Publix-Haus arbeitet. Diesmal: Julian Ungerer, Projektreferent bei Journalismus macht Schule.
Publix: Worin besteht der Kern Eurer Arbeit? Uns geht es um die Nachrichten- und Informationskompetenz von Jugendlichen. Journalismus macht Schule ist ein bundesweites Netzwerk. Ein zentrales Angebot ist die Vermittlung von Journalist:innen in Schulen für Unterrichtsgespräche. Die erklären den Schüler:innen z.B. wie Nachrichten entstehen, wie man Desinformation und Manipulation erkennen kann oder weshalb eine freie Presse wichtig ist. Zusätzlich bieten wir Fortbildungen für Journalist:innen und Lehrkräfte an.
Publix:Wofür engagiert Ihr Euch? Wir wollen etwas gegen die Nachrichtenmüdigkeit der jungen Zielgruppe tun. Wir sind überzeugt: Nachrichtenkompetenz ist Demokratiekompetenz. Gleichzeitig setzen wir uns politisch dafür ein, dass sie fest im Schulunterricht verankert wird.
Publix: Worauf liegt im Moment Euer Fokus? Am 3. Mai ist der Internationale Tag der Pressefreiheit. Unter dem Motto #PressefreiheitMachtSchule organisieren wir bundesweit verschiedene Aktionen und Veranstaltungen.
Publix: Was ist die beste Lektüre zur aktuellen Lage? Ich lese gern historische Texte, weil sich darin oft Muster zeigen, die auch heute noch relevant sind. Die Deutschen Hörer von Thomas Mann haben mich besonders beeindruckt: Er hat während der NS-Zeit aus dem Exil in den USA Radiosendungen nach Deutschland geschickt. Die wurden vor einiger Zeit transkribiert, und darin erkennt man Ähnlichkeiten zwischen damaligen politischen Versprechen und heutigen Entwicklungen.
Die neue Plattform unlock denkt den Zugang zu Qualitätsjournalismus neu: Sie will die Inhalte verschiedener Verlage und Nachrichtenagenturen in einem Abo bündeln. Viele Quellen, keine Werbung, ein Login. Die Verlage werden direkt an den Einnahmen beteiligt.
Unlock ist mit zwei Nachrichtenagenturen in die Beta-Phase gestartet, weitere Medienverlage sollen hinzukommen. Wer sich bis Mitte Mai unter app.unlock-it.news registriert, liest im ersten Monat noch kostenfrei.
Wir wollen unsere Nachbar:innen kennenlernen und treffen Anais, 26, im Feierabend auf dem Weg nach Hause. Sie macht eine Ausbildung zur Erzieherin in einer Neuköllner Kita.
Was beschäftigt Dich gerade? Bildschirmzeit! Bei Erwachsenen ist das ein Thema, aber besonders bei den ganz kleinen Kindern fällt mir auf, wie viel Zeit sie schon an elektronischen Geräten verbringen. Ich mache mir Sorgen um die Folgen. Viele der kleinen Kinder hier kennen Memes wie "6-7" oder erklären mir das Konzept von Love Island. Das ist einerseits irgendwie lustig, macht mich aber auch nachdenklich. Wenn ich manche Kinder frage, worauf sie sich am Wochenende freuen, kommt oft als Antwort: Fernsehen.
Wie informierst Du Dich über Neukölln und die Welt? Ich habe viele Freund:innen hier im Kiez und auch ein gutes Verhältnis zu meinen Nachbar:innen. Über sie bekomme ich vieles mit, lokale Themen in Neukölln und Berlin. Überregionale Themen bekomme ich über Social Media mit, über Kanäle wie Tagesschau oder ZDF. Und ich höre verschiedene Podcasts, zum Beispiel A bit fruity, wo es um Politik und Popkultur aus einer US-amerikanischen Perspektive geht.
Was ist Dein Lieblingsort in Neukölln? Am liebsten bin ich nach Feierabend am Tempelhofer Feld. Ich genieße einfach die weite Aussicht und sitze da und gucke Leute. Ich bin aber auch super gerne im Körnerpark, nehme eine Decke mit, lese ein bisschen oder treffe mich mit Freund:innen zum Picknick.
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